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Europäische Kampfkünste
Deutschland
Die Bezeichnung " Ger - mannen " beruht darauf, daß diese Völker eine speerartige Waffe (" Ger ") benutzten.Tacitius becshrieb um 100 n.Chr.die Geschicklichkeit der Germanen im Umgang mit dem Kurzschwert " Sax "(Sachsen!).Bis ins 14.Jahrhundert wurde in Deutschland mit dem " Bidenhänder "(Langschwert) gefochten.
Im Mittelalter gehörten festliche Turniere, bei denen Ritter hoch zu Roß ihre Kräfte messen konnten, zu den höfischen Sitten.Bereits 1386 fanden in Weißenfels Wettkämpfe im " Stechen und Fechten " statt.Zu den ritterlichen Tugenden zählten (ähnlich wie bei den Samurai) Fechten, Bogenschießen und Ringen sowie Waffentechniken zu Pferde.Daneben trugen die Ritter auch Mannschaftskämpfe (Buhurt) zu Pferde und zu Fuß aus, die der militärischen Schulung dienten.Ab etwa 1500 gab es " Fechter - Genossenschaften " in Deutschland, in denen man den Umgang mit verschiedenen Waffen erlernte.Unter anderem wurde mit der Holzwaffe " Dussack "(ähnlich dem japanischen Bokken) ohne Schutzausrüstung gefochten.Die deutsche Fechtkunst wurde durch Joachim Meyers Lehrbuch " Freyfechter und Burger zu Strassburf " stark beeinflust.Diese Schrift war im 16.Jahrhundert für das Fechten maßgebend, das damals zunftmäßig betrieben wurde und einen raschen Aufschwung nahm.Fechtmeister zogen von Stadt zu Stadt und lehrten den Umgang mit Dolch, Messer, Schwert, Spieß, Säbel, Degen und Rapier.
Um 1620 reformierte der Fechtmeister Wilhelm Kreußler das Fechten.Die deutsche Fechtschule war damals berühmt.In den Zünften wurde auch Bogenschießen und der Umgang mit der Armbrust gelehrt.Nich nur auf Okinawa gab es " Bauernwaffen ": Im 30- jährigen Krieg hat sich auch in Europa die Landbevölkerung mit ihren Möglichkeiten (Dreschflegel und Mistgabel) gegen die " Soldateska " zur Wehr gesetzt.
Einige Ringkampfformen und das Fechten blieben bis heute erhalten.Die ältesten Zeichnungen mittelalterlicher Kampfkünste stammen aus H.Talhoffers " Fechtbuch " aus dem Jahre 1443, in dem auch waffenlose Kampftechnikenenthalten sind.Meister Ott hat uns ein " Ringkunst - Lehrbuch " hinterlassen, dessen Inhalt noch heute fasziniert.Win weiteres interessantes Werk ist das 1512 erschienene " Fechtbuch ", dessen Zeichnungen Albrecht Dürer zugeschrieben werden.Die zahlreichen, in Sequenzen abgebildeten und detailliert beschriebenen Selbstverteidigungspraktiken machen einem heutigen Lehrbuch noch alle Ehre - ein Teil der Techniken ist noch immer gebräuchlich.
1537 erschien in Wittenberg das Buch " Ringerkunst " von Fabian von Auerswald, in dem ebenfalls Selbstverteidigungsparktiken dargestellt wurden.Darin finden sich auch Darstellungen des " Grübleinringens ", das man damals vermutlich " sportlich ", vor Zuschauern betrieb.Ein weiteres, gutverständliches Selbstverteidigungsbuch wurde im 16.Jahrhundert von Paschen verfaßt.In dem Buch " Chronik alter Kampfkünste "(Ein Faksmiledruck erschienen im gleichen Verlag) sind zahlreiche alte Stile und interessante Texte der alten Meister auszugsweise veröffentlicht.
England
Als " Cornwell - Stil " wurde ein Gürtel - bzw.Jackenringkampf betrieben.
Das Boxen läßt sich in England bis in das 16.Jahrhundert zurückverfolgen.Um 1720 eröffnete James Figg in Tottenham Court Yard eine Boxschule.Boxkämpfe wurden in England schnell populär.Bereits 1747 erschien der erste englische Boxlehrerbuch.In Schottland wurde der Hammer nicht nur als Arbeitsgerät, sondern auch als Wurfwaffe benutztm wobei sogar Wettbewerbe ausgetragen wurden.Der nordische Gewittergott besaß der Sage nach einen Hammer, der nach jedem donnernden Wurf wieder in seine Hand zurückkehrte.Heinrich VIII.gründete 1540 die " Gilde der Londoner Fechtlehrer ", obgleich damalige Fechtfreunde Übungsstätten bevorzugten, die von Italienern geführt wurden.Um 1850 wurde in London ein " Fencing Club " gegründet.
Frankreich
Um 1630 löste ein eigener französischer Fechtstil die bis dahin übliche italienische Schule ab.Zur beliebtesten Waffe wurde das Florett, eine Stichwaffe, die besonders elegante Fechtmanöver ermöglicht.Die Rivalität zwischen der italienischen und französischen Fechtschule besteht noch heute!
Seit dem Ende des 18.Jahrhunderts sind in Frankreich Kampftechniken mit Händen und Füßen bekannt, die vorwiegend von Seeleuten angewendet wurden.Um 1820 entwickelte der Franzose Michel aus diesen Vorläufern eine Kampfkunst mit dem Namen " Savate "(franz.= Pantoffel).1877 gab J.Charlemont, der mehrere berühmte englische Boxer besiegt hatte, das erste Fachbuch über Savate heraus.Das " Französische Boxen " ist ein besonders eleganter Kampfstil, der noch heute in Frankreich sehr populär ist und inzwischen vom Erziehungsministerium als Schulsport anerkannt wurde.
La Boxe Francaise - Savate wurde gegen Ende des 19.Jahrhunderts durch die Verwendung bretonischer Stockkampftechniken ergänzt.Dieses " La Canne " genannte Stockfechten ist eine wirksame Selbstverteidigungskunst, die noch immer betrieben werden.
Griechenland
Auf der Insel Kreta wurden Fresken gefunden, die etwa 1500 v.Chr.entstanden sind und diverse Kampfszenen zeigen.Man sieht Boxer mit Schnürschuhen, Helmen und Fausthandschuhen, Ringer, Bogenschützen, Speerwerfer und Stierkämpfer.Auf Zypern wurden Vasen mit Faustkampddarstellungen aus dem 12.Jahrhundert v.Chr.gefunden.Auf der Insel Santorin wurden Fresken ausgegraben, die sogar Kinder mit Boxhandschuhen zeigen.
Um 700 v.Chr.wurde das Ringen olympische Disziplin.Milon von Kroton, ein Riese von Gestalt, wurde besonders berühmt, weil er bereits im Alter von 14.Jahren bei der Olympiade 540 v.Chr.alle Gegner besiegte und über zwei Jahrzehnte erfolgreich blieb.Das Ringkampftraining der Griechen fand in der " Palätra "(pale = ringen), einer Art privater Kampfsoportschule statt.
Berühmte Boxer der Antike waren Glaukos und Theogenes, der gleichzeitig auch Prankrationssieger wurde.Onomastus von Smyrna errang 668 v.Chr.den ersten Olympia - Sieg im Boxen.Boxen und Ringen hatten bei den Griechen eine wichtige militärische Bedeutung und sollten die Jugend zu Kraft, Mut und Geschicklichkeit erziehen.
Um 1650 v.Chr.kam " Panration ", der griechische Allkampf, zum antiken Wettkampfprogramm hinzu, bei dem auch am Boden gekämpft wurde.Die Berufskämpfer erhielten als Siegestrophäen Sachpreise oder geweihte Lorbeerzweige.
Grönland
Bei den Eskimos in Grönland und Alaska ist der Ringkampf weit verbreitet.
Island
Dort wird seit über 1 000 Jahren (bis zum heutigen Tag) der " Glima - Kampf" gepflegt.Es handelt sich um einen Gürtel - bzw.Jackenringkampf, der dem Judo ähnelt und aus der Wikingerzeit stammen soll.
Italien / Römisches Reich
Die Römer übernahmen das Ringen von den Griechen (griechischrömischer Ringkampf!).Etwa um 200 v.Chr.fanden Ringen und Faustkampf bei den Circusspielen in Rom Eingang.Im 1.Jahrhundert v.Chr.wurde dann auch Pankration eingeführt und mit dem " Caestus " ausgetragen.Den Siegern wurden Kränze aus Petersilie geflochten.
Wurden zunächst noch Einzelkämpfe ausgetragen, so traten später viele Kämpfer in der Arena des " Koloseums " gleichzeitig auf.Die Befriedigung der Sensationslust des Publikums stand dabei (ähnlich wie bei den Gladiatoren - Kämpfen, die etwa 260 v.Chr.eingeführt wurden) im Vordergrund.Die Kämpfe wurden mit gnadenloser Brutalität ausgetragen.
Während die Griechen noch nackt und waffenlos kämpften, war bei den Römern ein Lendenschurz und unterschiedliche Kampfausrüstung und Bewaffnung üblich.Im Mittelalter wurden Boxen und Ringen in Italien hauptsächlich in Fechtschulen (die es seit dem 12.Jahrhundert gab) gelehrt.Im 14.Jahrhundert verdrängte das Fechten allmählich das Ringen.Ursprünglich waren dabei Schild und Harnisch genauso wichtig, wie die Waffenführung.
Die große Zahl italienischer Fechtbücher dokumentiert die führende Stellung Italiens in dieser Disziplin.1536 erschien in Modena das grundlegende Werk von Achille Marozzo:" Opera nova chiamanta duello overo fiore dell ' armi".Zum Schutz des Fechtens waren Schild oder Mantel (Cappa) erlaubt.
Niederlande
Auch hier wurden schon im Mittelalter Ringkampf - und Selbstverteidigungstechniken geleehrt.Das Buch " Worstelkonst ", das von Nicolaes Petter in Amsterdam herausgegeben wurde, stammt aus dem Jahre 1674.Darin finden sich eine ganze Reihe von Kampftechniken, die noch heute beim Judo bzw.bei der Selbstverteidigung angewendet werden.
Österreich
Hier blickt das " Tiroler Rangeln " als bodenständiger Kampfsportart auf eine alte Tradition zurück.
Portugal
Im Mittelalter entwickelte sich besonders in den Städten sportliches Leben.
Schweiz
Schon im 10.Jahrhundert soll der " Hosenlupf " in Appenzell üblich gewesen sein.Das noch heute betriebene " Eidgenösische Schwingen " blickt auf eine über 200jährigeTradition zurück.Das erste Lehrbuch über Schwingen, von Prof.R.Schärer, erschien 1864.
Sowjetunion
Der Kampfsport hat bei den Völkern der Sowjetunion eine lange Geschichte.Es gibt in der UDSSR mehr als 20 nationale, volkstümliche Arten des Ringkampfes, deren Anfänge weit in die Vergangenheit zurückreichen - fast alle wurden mit Jacke und Gürtel durchgeführt.Beschreibungen dieser alten Rinkampfarten finden sich bereits in der Lawrentewskajer Chronik aus dem 10.und 11.Jahrhundert.
Neben den russischen Ringkampfarten kennt man den tatarischen Ringkampf " Kurjasch ".
Die Kämpfe verlaufen unter den Klängen volkstümlicher Musik und dauern jeweils 5 Minuten.Es werden auch Bein - und Fußwürfe angewendet.
Erlaubt sind Fußwürfe, sowie das Fassen von beinen und Hose.Gewonnen hat, wer den Gegner 15 Sekunden am Boden hält.
Spanien
Noch heute ringen junge Männer mit wilden Jungkühen, wobei sie die Tiere an den Hörnern packen und versuchen, sie auf den Rücken zu drehen.
Um 1470 entstanden die ersten Fechtschulen in Spanien.Ursprünglich war der spanische Fechtstil recht unbeweglich und der Tradition verhaftet.
Das 1628 von Girard Thibault veröffentlichte Werk " Académie de I ' espée " dokumentiert die spanische Fechtschule.
Türkei
Der Ringkampf fand in der Türkei schon immer großes Interesse.
Ungarn
Auch in Ungarn gibt es eine alte Ringkampftradition.
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